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Saisonrhythmus: BDSE begrüßt Vorschlag von HDS/L, SABU und ANWR

Bereits vor einigen Wochen hatte sich der BDSE mit Nachdruck für eine Anpassung der Saisonrhythmen an die aktuelle Situation ausgesprochen. Schon damals waren wir uns zwischen den Verbänden und Verbundgruppen unserer Branche im Großen und Ganzen einig. Wir begrüßen daher den jüngsten Appell von HDS/L, SABU und ANWR ausdrücklich. 

Der Vorschlag, den Abverkaufszeitraum der Frühjahrs-Sommer-Ware zu verlängern, ist angesichts des großen Warendrucks völlig richtig und notwendig. Dies immer auch vor dem Hintergrund, dass sich die Preisreduktionen hoffentlich in Grenzen halten werden, damit so lange wie möglich halbwegs rentable Umsätze getätigt werden können. Je später die größeren Schuhgeschäfte, aber auch Mode- und Warenhäuser wieder öffnen dürfen, desto größer wird der Waren- und Liquiditätsdruck im Einzelhandel sein. Wir hoffen sehr, dass sich die große Preisschlacht vermeiden lässt.

 

In diesem Zusammenhang ist das derzeit größte Problem die saisonal nicht mehr aktuelle und damit kaum mehr verkäufliche Ware aus den frühen Lieferterminen. Diese Ware sollte bei den wirklich partnerschaftlich orientierten Lieferanten ausgetauscht werden gegen aktuelle Ware. Andernfalls muss sie adäquat vermarktet werden. Wenig modische F/S-Artikel lassen sich von Schuhhäusern ggf. auch einlagern und zu einem späteren Zeitpunkt (2021) wieder in den Verkauf geben.

 

Auch der BDSE hält es nach wie vor für zwingend, die Wareneingangstermine für Herbst/Winter in Abstimmung mit den Lieferanten nach hinten zu schieben. Vier Wochen als Orientierungsrahmen ist vernünftig. Wichtig dabei ist, dass die richtige Ware zur richtigen Zeit in die Geschäfte eingesteuert wird. Übrigens auch in den Online-Handel und die eigenen Retail-Stores der Hersteller. Den optimalen Zeitpunkt wird jedes Schuhhaus für sich anders beurteilen wollen. Das hängt auch vom Modegrad, Genre und Standort ab.

 

Seit langem schon fordern wir, dass die Schuhbranche wieder näher an den tatsächlichen Bedarf der Endkunden heranrückt. Nun haben wir die Chance, dies endlich zu realisieren. Der Schlüssel für ein vernünftiges saisonales Prozedere liegt stark bei den Lieferanten und deren Unterstützung ihrer Handelspartner. Beim Timing der Warenauslieferung und der bedarfsgerechten Taktung innerhalb der Verkaufssaison ist die Bekleidungsbranche der Schuhbranche voraus, hier sehen wir durchaus Nachholbedarf.

  

Eine pauschale Verschiebung der H/W-Liefertermine trifft allerdings sicher nicht jeden Wunsch eines Schuhhändlers, da nicht jedes Schuhhaus den frühestmöglichen Termin einer Auslieferung gewählt hat, sondern einen aus seiner Sicht kunden- und witterungsgerechten Termin. In diesem Fall wäre ein Verschieben des Liefertermins um 4 Wochen nach hinten kontraproduktiv.

 

Natürlich müssen in diesem Zusammenhang bereits bestätigte Liefertermine für Herbst/Winter zwischen Lieferanten und Schuhhändlern individuell besprochen und entsprechend angepasst werden. Liegt aber das Manko nicht auch darin, dass die eindeutige Mehrheit der Aufträge des Schuhhandels von ihren Lieferanten gar nicht oder erst kurz vor Auslieferung bestätigt werden? Wie soll sich da ein Einzelhändler auf konkrete Liefertermine einstellen können? Wie soll er sich vor diesem Hintergrund auf spätere Liefertermine verlassen können? Da muss künftig mehr Butter bei die Fische, sonst bleiben die grundsätzlich völlig richtigen Empfehlungen im Unverbindlichen und mit geringem praktischem Wert und Verlass.

 

Offen bleibt nach den bisher bekannten Vorschlägen, ob die Hersteller bei einer Verschiebung der Liefertermine für H/W-Ware um vier Wochen auch die bereits getroffenen Valuta-Zusagen einhalten werden. Man könnte sonst den Eindruck bekommen, als wollte die Industrie mit dem aktuell vorliegenden Konzept lediglich etwaigen Corona-bedingten Produktions- und Lieferverzögerungen vorbeugen und sich Nachlieferfristen offenhalten. Damit blieben die Risiken beim Einzelhandel, ohne dass er einen Liquiditätsvorteil hätte.

 

Zudem ist die wichtige Frage möglicher Auftragsstornierungen noch nicht geklärt. Der Schuhhandel geht davon aus, dass er auch in der Herbst-/Winter-Saison deutliche Umsatzeinbußen haben wird aufgrund der allgemeinen Kaufzurückhaltung seiner Kunden. Die Schätzungen liegen bei einem Minus von zehn bis zwanzig Prozent. Wenn die Industrie keine partiellen Stornos zulässt, schiebt der Schuhhandel hohe Restanten aus der F/S- und der H/W-Saison vor sich her, was viele allein schon aus Liquiditätsgründen nicht stemmen könnten. Eine Bestandskorrektur wäre für den Handel dann erst in der Orderrunde F/S 2021 möglich!

 

Dass sich die unterschiedlichen Orderveranstaltungen an den neuen Ein- und Verkaufsrhythmus anpassen, ist ebenfalls eine Notwendigkeit. Zumindest darf die Zeitspanne zwischen Order und Verkaufszeitpunkt keinesfalls größer werden. Die Leadtime sollte sich tendenziell eher noch verkürzen. Da wäre lieferantenseitiger Orderdruck völlig fehl am Platze. Dies gilt im Übrigen auch für Bestellmengen und Nachbestellmöglichkeiten. Der Schuhhandel muss in der Zeit nach Corona flexibler werden und sich besser an das tatsächliche Nachfrageverhalten seiner Kunden ausrichten können. Die durchschnittlichen Warenbestände sind im Schuhhandel einfach zu hoch, die LUG als Folge zu niedrig und die Abverkaufsrisiken zu hoch. Denn der Schuhhandel lebt nicht vom Umsatz allein, sondern muss eine auskömmliche Rendite erwirtschaften. Da sind wir mit dem neuen Saison- und Orderrhythmus auf einem guten Weg!